PavloWIKI – von Azubis für Azubis – Krankenversicherung

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Hallo liebe Leser,

fast eine Woche ist bereits wieder vergangen und somit ist es Zeit, uns die nächste Versicherungssparte näher anzuschauen.

Nachdem wir uns letzte Woche die Privathaftpflichtversicherung näher angeschaut haben, ist heute die Krankenversicherung an der Reihe.

Vorab ist bei diesem Thema zu unterscheiden, dass es eine gesetzliche und eine private Krankenversicherung gibt.

Da dies hier ein Blog für Auszubildende ist, die in aller Regel auch gesetzlich versichert sind, werden wir uns auf die gesetzliche Krankenversicherung konzentrieren. Als Expertin zu diesem Thema steht uns heute Nicole Maile zur Seite, die sich Zeit nimmt, um meine Fragen für euch zu beantworten.

Dann legen wir gleich mal los

Nicole, welche Leistungen beinhaltet die gesetzliche Krankenversicherung?

Generell gesagt, sollen die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung Krankheiten verhüten, Prävention und Selbsthilfe unterstützen und die Heilung von Erkrankungen durch notwendige medizinische Behandlungen finanzieren.

Geregelt werden die Leistungsprinzipien der gesetzlichen Krankenversicherung im Sozialgesetzbuch V, das die Rahmenbedingungen vorgibt. Zudem gibt es einen gemeinsamen Bundesausschuss, die Leistungen für die Krankenkassen definiert und konkretisiert. Heraus kommt ein sogenannter gesetzlicher Leistungskatalog, der für alle Krankenkassen gleichermaßen gilt.

Ist die Krankenversicherung eine Pflicht? Wer muss gesetzlich krankenversichert sein?

Wir haben in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht, das heißt, jeder muss krankenversichert sein. Jeder Arbeitnehmer, der mit seinem Jahresarbeitsentgelt unter der sogenannten Versicherungspflichtgrenze liegt, ist in der gesetzlichen Krankenkasse versicherungspflichtig und muss sich in einer Krankenkasse versichern.

Über die kostenfreie Familienversicherung können auch Familienmitglieder mitversichert werden, die kein eigenes Einkommen beziehen. Selbständige, Beamte und Angestellte, die mit Ihrem Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze liegen, haben die Wahl, ob Sie sich gesetzlich oder privat krankenversichern wollen.

Bis wann ist man bei der gesetzlichen Krankenversicherung über die Eltern mitversichert?

Kinder können bis zum 23. Lebensjahr über die kostenfreie, gesetzliche Familienversicherung versichert werden, sofern sie noch nicht selbst arbeiten. Bei Schülern und Studenten liegt die Altersgrenze bei 25. Mit Beginn der Ausbildung müssen sich Auszubildende zum ersten Mal selbst versichern, da die Familienversicherung über Ihre Eltern mit dem Berufsstart endet.

Also liebe Mit-Azubis wir müssen das nun leider selbst übernehmen…

Was kostet die gesetzliche Krankenversicherung für Auszubildende und muss ich den Beitrag selbst bezahlen?

Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden aus dem Auszubildenden-Gehalt berechnet und vom Arbeitgeber direkt an die Krankenkasse weitergeleitet. In der Regel zahlen der Auszubildende und der Arbeitgeber jeweils die Hälfte der Beiträge.

Darüber hinaus zahlt der Versicherte noch einen kassenindividuellen Zusatzbeitragssatz.

Zuzüglich des Arbeitgeberanteils ergibt sich so ein allgemeiner Beitragssatz zwischen 14,6 % und 15,9 %. Neben dem Krankenversicherungsbeitrag fällt noch der Beitrag zur Pflegepflichtversicherung an.

Bei Auszubildende, die nicht mehr als 325,00 Euro brutto monatlich verdienen, zahlt der Arbeitgeber die gesamten Beiträge.

Mit welcher Frist, kann ich meine Krankenkasse kündigen und wie kann ich meine Krankenkasse wechseln?

Am besten macht man sich schon vor Ausbildungsbeginn Gedanken zum Thema und entscheidet sich für eine Krankenkasse. Spätestens jedoch innerhalb der ersten 14 Tage der Lehrzeit muss man sich für eine Kasse entscheiden. Wird diese Frist verpasst, wird man vom Arbeitgeber automatisch in der Krankenkasse versichert, in welcher bisher die Familienversicherung über die Eltern bestand.

Generell kann die Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenkasse mit einer Frist von zwei Monaten gekündigt werden. Das heißt: Die Kündigung ist immer zum Ende des übernächsten Monats möglich. Neue Mitglieder haben dann eine Bindefrist von 18 Monaten, bevor man regulär wieder zu einer anderen Kasse wechseln kann.

Der Wechsel einer Krankenkasse ist völlig unproblematisch und mit zwei Schreiben erledigt. Man kündigt beim alten Versicherer und meldet sich beim neuen an. Hat man sich für einen Wahltarif entschieden, gilt die 18-Monatspflicht nicht, da die von Krankenkassen angebotenen Wahltarife eigene Mindestlaufzeiten haben.

Worin unterscheiden sich die einzelnen gesetzlichen Krankenkassen?

Der gesetzliche Leistungskatalog gilt, wie schon gesagt, gleichermaßen für alle gesetzlichen Krankenkassen. Darüber hinaus unterscheiden sich die Krankenkassen in folgenden Punkten:

  • Erhobener Zusatzbeitrag
  • Freiwillige Zusatzbeteiligung (z.B. professionelle Zahnreinigung, Homöopathie etc.)
  • Bonusprogramm
  • Angebotene Wahltarife

Welche Zusatzleistungen sind bei der gesetzlichen Krankenversicherung sinnvoll? Wie kann ich eine Auswahl treffen?

Das kommt ganz darauf an, worauf man als Auszubildender Wert legt.

Dazu kann zum Beispiel zählen, ob die Kasse bestimmte Sportkurse unterstützt oder besondere Behandlungsformen wie Osteopathie oder Akupunktur bezahlt.

Wann ist es sinnvoll, eine Krankenzusatzversicherung abzuschließen und was kostet so etwas?

Wer bei einer Erkrankung bestmöglich abgesichert sein möchte, kann über eine private Krankenzusatzversicherung als Ergänzung zur gesetzlichen Krankenversicherung nachdenken. Mit einer Krankenzusatzversicherung kann man sich beispielsweise Zusatzleistungen wie bessere Leistungen im Bereich Zahnarzt, Behandlungen beim Heilpraktiker, die Behandlung durch den Chefarzt und die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus sichern.

Zusatzversicherungen sind bausteinartig aufgebaut, das heißt man kann sich seinen Versicherungsschutz ganz nach den eigenen Bedürfnissen zusammenstellen.

Der Beitrag für eine Krankenzusatzversicherung hängt davon ab, welche Leistungen man absichern möchte, wie alt und wie gesund man ist. Für Auszubildende und junge Versicherte, werden von vielen Gesellschaften spezielle, sehr günstige Tarife angeboten.

Leistet die gesetzliche Krankenversicherung auch im Ausland? Brauche ich eine spezielle Versicherung fürs Ausland?

Grundsätzlich werden die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung nur im Inland erbracht. Ausnahmen gibt es aber durch zwischen- und überstaatliche Regelungen innerhalb Europas – im außereuropäischen Ausland werden in der Regel keine Leistungen erbracht. Innerhalb Europas benötigt man bei Arztbehandlungen die European Health Insurance Card (EHIC), die man von der gesetzlichen Krankenkasse erhält. Hierüber sind Leistungen zu einem ortsüblichen Standard abgedeckt, die dann direkt mit der Krankenkasse abgerechnet werden. Man kann hier also nicht unbedingt eine Behandlung wie in Deutschland erwarten. In der Praxis erlebt man immer wieder, dass ein „Dorfmediziner“ beispielsweise in Griechenland noch nie etwas von einer europäischen Krankenversicherungskarte gehört hat.

Generell nicht über die gesetzliche Krankenkasse abgedeckt ist der Krankenrücktransport aus dem Ausland, was ein großes Kostenrisiko darstellt. Nicht selten entstehen in so einer Situation Kosten von deutlich mehr als 10.000 Euro.

Um dieses Thema aus dem Kopf zu haben und auch im Ausland den besten Versicherungsschutz zu haben, würde ich immer eine Jahres-Auslandskrankenversicherung empfehlen. Diese Tarife sind in der Regel sehr günstig und sichern die oben genannten Risiken ab.

Also liebe Reisenden, vielleicht diese Zusatzleistung bedenken.

Zu guter Letzt, zwei kurze Fragen zum Thema private Krankenversicherung. Welche Leistungen beinhaltet die private Krankenversicherung und wer kann sich in der Privaten versichern?

Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenkasse kann man sich die Leistungen der privaten Krankenversicherung nach eigenem Bedarf zusammenstellen. Will man möglichst günstig versichert sein und ist sich über eventuelle Leistungseinschränkungen und Leistungslücken bewusst, kann man sich für einen Grundschutztarif entscheiden. Möchte man ein Topleistungsniveau, gibt es den entsprechenden Toptarif.

Die private Krankenversicherung ist bestimmten Personengruppen vorbehalten. Dazu gehören Selbständige, Freiberufler, Beamte und nicht- versicherungspflichtige Studenten. Auch Arbeitnehmer können in eine private Krankenversicherung wechseln, wenn ihr Jahresarbeitsentgeld/Bruttojahreseinkommen die Versicherungspflichtgrenze (Stand 2016: 56.250 Euro pro Jahr) übertrifft.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Nicole, dass sie sich heute Zeit genommen hat, um meine Fragen zu beantworten.

Abschließend an alle die, die in der Schule was geschafft haben und bereits in der Ausbildung 56.250 Euro im Jahr verdienen: Ihr könnt nun über eine private Krankenversicherung nachdenken und sehr stolz auf euren Job sein.

Gerne dürft auch ihr eure Fragen zum Thema private und gesetzliche Krankenversicherung in die Kommentare schreiben, die ich abstimmend mit meinen Kollegen beantworte. Ich bedanke mich vielmals fürs Lesen und freue mich von euch zu hören.

Bis zum nächsten Mal, wenn es um die Berufsunfähigkeitsversicherung geht.

Euer

Marcel Pavlovic

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